Fertigstellung der Machbarkeitsstudie für das Pilotprojekt

Machbarkeitsstudie bestätigt die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit des Erdwärmenetzes im Pilotgebiet
Titelbild der Machbarkeitsstudie zum Anergienetz Humboldtstraße Bremen. Quelle: UTEC (Ingenieurbüro zur Entwicklung und Anwendung umweltfreundlicher Technik)
Titelbild der Machbarkeitsstudie zum Anergienetz Humboldtstraße Bremen. Quelle: UTEC (Ingenieurbüro zur Entwicklung und Anwendung umweltfreundlicher Technik)

Die Machbarkeitsstudie für das erste Anergienetz, das die ErdwärmeDich Genossenschaft errichten möchte, wurde am 24.April 2026 von der UTEC GmbH – dem Ingenieurbüro für Entwicklung und Anwendung umweltfreundlicher Technik – fertiggestellt. Das inklusive Anhang 62 Seiten umfassende Dokument haben Katja Rodi und Dieter Fedra für uns zusammengefasst und eingeordnet:

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wird die grundsätzliche technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit eines Anergienetzes untersucht und damit ein Weg zur Treibhausgasneutralität skizziert. Anhand der vorhandenen Heizdaten der anzuschließenden Haushalte wurde für die Machbarkeitsstudie zunächst eine IST-Analyse mit Wärmebedarf- und Heizlastermittlung durchgeführt. Die Analyse bezog sich auf das Pilotgebiet, d.h. den östlichen Teil der Humboldtstraße rund um die Friedensgemeinde sowie Abschnitte einiger Nebenstraßen: Lessingstraße, Stedinger Straße und Vagtstraße.

Beste Lösung zur Wärmeversorgung 

Ergebnis dieser Analyse ist, dass ein kaltes Nahwärmenetz (ein sogenanntes Anergienetz) die beste Lösung zur Wärmeversorgung im Pilotgebiet ist. An das geplante Anergienetz sollen 29 Ein- und Mehrfamilienhäuser und die Kirche der Friedensgemeinde mit Gemeindebüro und Kindergarten angeschlossen werden.

Zur sich anschließenden SOLL-Analyse gehört die Bestimmung der Trassenführung für die Sondenanbindung der anzuschließenden Haushalte. Es wird noch einmal deutlich gemacht, dass das geplante Anergienetz passiv betrieben wird. Die Wärmepumpen an jedem Anschlusspunkt sorgen mit ihren integrierten Umwälzpumpen für den nötigen Soleumlauf. Nach der auf der Grundlage des bei der Probebohrung erfolgten TRT (Thermal-Response-Tests) durchgeführten Simulation für das Pilotprojekt werden 30 Erdwärmesonden als ausreichend zur Versorgung der anzuschließenden Haushalte angenommen. 

Aus der Suchschachtung in den Straßen des Pilotgebietes ergibt sich, dass es teilweise erhebliche Abweichungen zwischen den Bestandsplänen des Amts für Straßen und Verkehr (ASV) und der tatsächlichen Verortung von den im öffentlichen Straßenraum liegenden Leitungen gibt. Sogenannte Totleitungen sind demnach von den betreffenden Leitungsträgern nicht zurückgebaut und darüber hinaus nicht immer dokumentiert worden. Somit sind die Bestandspläne nur eingeschränkt für die Trassenplanung nutzbar. Es ist vielmehr eine Abstimmung mit den betreffenden Leitungsträgern bei den Arbeiten für das Anergienetz vor Ort notwendig. Für die ggf. notwendige Beseitigung von Totleitungen oder die Mehrkosten bei einer Verlegung der Leitungen im Fahrbahnbereich stellt sich insofern die Frage der Kostenübernahme. In der Machbarkeitsstudie wird die Trassenvariante im Fahrbahnbereich dargestellt. 

Vollkostenanalyse

Zum Abschluss führt die Studie auf der Grundlage von geschätzten Kosten eine Vollkostenanalyse durch. Hierfür wurden alle Kosten für Netz, Hausanschlüsse, Wärmepumpen sowie Planung, Zinsen, Wartung, Service und Verwaltung abgeschätzt und ins Verhältnis zur Anzahl an Wärmepumpen gesetzt, genauer zur Leistung aller installierten Wärmepumpen. Als Ergebnis ergeben sich monatliche Fixkosten von ca. 20 €/kW installierter Wärmepumpenleistung. Für eine 10 kW Wärmepumpe eines normalen Altbremer Hauses würden demnach ca. 200 €/Monat anfallen. 

 

Wie ist die Kostenkalkulation zu verstehen?

Es handelt sich um eine sogenannte Vollkostenkalkulation, die mit den Gesamtkosten vergleichbar ist, die etwa für Anschaffung, Baukostenzuschuss, Anschlusskosten, monatliche Grundgebühren, Schornsteinfegergebühren, Reparaturkosten/ -Rücklagen etc. bei einer Gasheizung anfallen.

Hinzu kommen bei dem Anergienetz die Stromkosten der Wärmepumpe zur Erzeugung der Heizenergie aus der Erdwärme. Hier fallen Verbrauchskosten von ca. 8 ct/kWh Heizenergie an. 
Dies ist leicht vergleichbar mit den Verbrauchskosten für eine Gas- oder Ölheizung. Für die Verbrauchskosten einer fossilen Heizung gilt ungefähr:

  • 1 cbm Gas, derzeit ca. 1,20 €, ergeben ca. 10 kWh oder 12 ct/kWh,
  • 1 ltr Öl, derzeit ca. 1,35 €, ergeben ca. 10 kWh oder 13,5  ct/kWh.

 

Kostenschätzung versus Kostenberechnung

Wichtig ist, dass es sich bei dieser Machbarkeitsstudie nur um Schätzkosten handelt. Erst aufgrund der sich jetzt anschließenden eigentlichen Entwurfs- und Genehmigungsplanung, die ja erst vor ein paar Tagen an den Ingenieursbetrieb BauGrund Süd ErdEnergie Management vergeben wurde, wird es zu einer fundierten Kostenberechnung kommen. Es ist anzunehmen, dass die tatsächlichen Kosten niedriger sein können. Denn die Machbarkeitsstudie verfolgt bisweilen einen sehr konservativen Ansatz, der bei mehreren Möglichkeiten von der teureren Variante ausgeht. Und es gibt noch viele Variablen, die erst bei der konkreten Entwurfs- und Genehmigungsplanung zu verlässlicheren Zahlen führen. Zu diesen Variablen zählen etwa die unterschiedlichen Kostenannahmen je nach Trassenverlauf (im Bürgersteig oder in der Fahrbahnmitte) oder je nach Anzahl (etwa 26 oder 30) der benötigten Sonden (die Interpretation der Ergebnisse des TRT und die daraus folgende Auslegung der Sonden, ggf. unter Berücksichtigung von Regenerationsmaßnahmen, müssen noch konkretisiert werden).

Letztendlich gibt die Studie auch zu bedenken, dass bei dem ersten verwirklichten Erdwärmenetz zusätzliche Kosten für für Planung und Verwaltung anfallen, die wegen der gewonnenen Erfahrungen im Pilotprojekt bei den nächsten Netzen niedriger sein werden. Da die Kosten der Genossenschaft auf alle angeschlossenen Haushalte immer gleichmäßig verteilt sein werden, reduzieren sich die Kosten im ersten Netz spätestens mit der Inbetriebnahme weiterer Netze oder wenn sich innerhalb der Netze noch die Anschlussquote erhöht, es also mehr teilnehmende Anwohner:innen gibt.

Wer sich im Einzelnen für die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie interessiert, findet im Anschluss die Möglichkeit zum download.

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