Links Titelbild der Studie zur Einstellung von (Bremer) Bürger:innen zu erneuerbarer Wärmeversorgung, Anergienetzen und Wärmeverbrauchergenossenschaft sowie rechts eine Abbildung aus der Befragung: Was sind die Hemmnisse für einen Anschluss an ein kaltes Nahwärmenetz – unterschieden nach Bezieher:innen der ErdwärmeDich-Newsletter (EWD-Interessierte, n = 452) und Personen, die bisher keinen Kontakt zu ErdwärmeDich hatten (Nicht-EWD, n = 361).
Ein Beitrag von Winfried Osthorst
Zwischen Mai 2024 und August 2026 hat das Projektteam aus Frida Kopka und Henrik Wunsch (energiekonsens) sowie Christian Rinner und Winfried Osthorst (Hochschule Bremen) sehr eng mit den Aktiven von ErdwärmeDich zusammengearbeitet, um die Erfahrungen des Entwicklungsprozesses der Wärmeverbrauchergenossenschaft aufzuarbeiten – zeitweise gab es neben dem monatlichen „Jour fixe“ einen dicht gefüllten Kalender mit zusätzlichen Aktivitäten und Veranstaltungen für die Öffentlichkeit.
Die wichtigsten Ergebnisse des Projektes: Von den Bürgerinnen und Bürgern selbst getragene kalte Nahwärmenetze, die von oberflächennaher Erdwärme gespeist werden, können eine bestehende Versorgungslücke schließen und einen Beitrag für einen klimafreundlicheren Wärmesektor leisten. Die Technik ist praxistauglich. Entscheidend für den Erfolg sind politische, finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen. Mögliche Instrumente für Kommunen sind z. B. Beratungsangebote, die gezielte Ausweisung von geeigneten Stadtquartieren für „kalte“ Nahwärme in der Wärmeplanung, die Bündelung von Zuständigkeiten in der Verwaltung sowie die Kooperation mit kommunalen Gesellschaften bei der Entwicklung von Wärmeprojekten.
Ein weiteres Projektelement war die Befragung von 3000 zufällig ausgewählten Haushalten aus den Stadtteilen Findorff und Östliche Vorstadt sowie 1500 bei ErdwärmeDich registrierten Aktiven und Interessierten (Newsletterbezieher:innen), von denen 849 Personen geantwortet haben (Rücklaufquote = 18,5%). Diese Befragung wurde von einer Gruppe von Studierenden des Masterstudiengangs „Interdisziplinäres Nachhaltigkeitsmanagement“ der Hochschule Bremen durchgeführt und ausgewertet. Die Daten zeigen, dass es in der Stadtgesellschaft eine Offenheit gegenüber bürgerschaftlich getragenen Anergienetzen gibt, während das Wissen darüber noch deutlich ausbaufähig ist. Eine klare Kommunikation und Beratungsangebote sind darum für den Erfolg entscheidend.
Das Projekt hat auch die Bremer Wärmepolitik betrachtet, die die Rahmenbedingungen für die kalte Nahwärme formuliert und die gleichzeitig ein zentrales Element der Bremer Klimaschutzpolitik darstellt. Wichtige Befunde zu diesem Themenfeld sind: Zunehmend kommt es zwischen Wärmenetzbetreibern zur Konkurrenz um attraktive Versorgungsgebiete. Die Stadt muss ein Verfahren entwickeln, um übergeordnete Aspekte durchzusetzen und die Projekte koordinieren zu können. Zudem wird deutlich, dass auch in Wärmenetzgebieten nicht alle Häuser angeschlossen werden. Hier benötigen die Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer schnell Klarheit und Beratung über mögliche Alternativen. Eine große klima- wie sozialpolitische Herausforderung stellen Häuser mit einem niedrigen Sanierungsstandard dar – sogenannte „Worst-Performing-Buildings“. Über die Anzahl, Verteilung, Eigentümer- und Bewohnerstruktur gibt es nur wenige Daten. Zudem fehlen gezielte Handlungsansätze.
Bei Fragen zum Forschungsprojekt wenden Sie sich gerne an:
Frida Kopka – Projektmanagement im Bereich Bau und Stadtentwicklung bei energiekonsens, der Klimaschutzagentur für Bremen und Bremerhaven unter: kopka@energiekonsens.de oder an:
Prof. Dr. Winfried Osthorst – Fakultät 3 Gesellschaftswissenschaften an der Hochschule Bremen (HSB), City University of Appplied Sciences unter: winfried.osthorst@hs-bremen.de
Alle Veröffentlichungen aus der Arbeit der Hochschule Bremen mit den wissenschaftlichen Ergebnissen zu einzelnen Projektelementen stehen als kostenloser Download unter den folgenden Links auf der Internetseite der Hochschule Bremen zur Verfügung:
- Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2026): (Kalte) Nahwärme in der Wärmewende – Analyse technischer Konzepte, Betreibermodelle und Kostenstrukturen anhand von Praxisbeispielen. GLOKAL Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik, Nr. 19, Hochschule Bremen, Bremen. - No. 19 → glokal-paper-19.pdf
- Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2026): Bürgerschaftliche Nahwärme und die Bremer Wärmepolitik. Analyse der Rahmenbedingungen der Wärmewende und Handlungsempfehlungen für die Förderung bürgerschaftlicher Energie-Projekte. GLOKAL Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik, Nr. 21, Hochschule Bremen, Bremen. DOI: https://doi.org/10.26092/elib/6056 - No. 21 → glokal-paper-21.pdf
- Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2025): Instrumente für die Förderung bürgerschaftlicher Nahwärme im urbanen Bestand. Ein Screening des Forschungsstandes zur Governance der Wärmewende. GLOKAL Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik - No 22, Hochschule Bremen, Bremen. DOI: https://doi.org/10.26092/elib/4899 - No. 22 → glokal-paper-22.pdf
- Bohemann, Astrid; Lukanz, Pia; Osthorst, Winfried; Rinner, Christian; Schaefer, Laura; Stanko, Malena (2026): Einstellung von (Bremer) Bürger*innen zu erneuerbarer Wärmeversorgung, Anergienetzen und Wärmeverbrauchergenossenschaft. Ergebnisse einer quantitativen Befragung. Arbeitspapier zu den Arbeitspaketen 3 und 4 des Forschungsprojektes „Urbane Anergienetze als Instrument der Wärmewende in Bremen" (Hochschule Bremen und energiekonsens GmbH), gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik, Nr. 23, Hochschule Bremen, Bremen. DOI: https://doi.org/10.26092/elib/6155
- Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2026): Zum Status der Bremer Wärmepolitik - zentrale Befunde und Handlungserfordernisse. Eine Stellungnahme zur Bremer Klimapolitik im Bereich Gebäude & Wärmeversorgung nach der Veröffentlichung der kommunalen Wärmeplanung. GLOKAL Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik, Nr. 24, Hochschule Bremen, Bremen. DOI: https://doi.org/10.26092/elib/6157
- Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2026): Instrumente für die „Graue Zone“: die Entwicklung erneuerbarer Nahwärme im urbanen Bestand lokal fördern. Ein Screening des Forschungsstandes zur Governance der Wärmewende. In J. Knies, T. Schwarz & Y. E. Gerling (Hrsg.),Tagungsband zur 3. Konferenz der Norddeutschen Wärmeforschung (78-82). https://doi.org/10.26092/elib/5016